Tarifverhandlungen für die Schuhindustrie

Nicht die Butter vom Brot nehmen lassen

Die deutsche Schuhindustrie wird – nach fast 40 Jahren – endlich ihre Entgeltstruktur modernisieren und an die heutige Zeit anpassen. Und das hat viel mit Lloyd Shoes in Sulingen zu tun – und damit, dass dort die IG BCE stark vertreten ist.

IG BCE / BR-Lloyd

Tariferfolg in der Schuhindustrie Soweit kam es dann doch nicht ... Bei Lloyd gibt es jetzt ein Entgelt-Plus von 3,7 Prozent. Auszubildende erhalten monatlich 80 Euro mehr.

Die Schuhindustrie wird bald einen einheitlichen, zeitgemäßen und transparenten Flächentarifvertrag bekommen. Das haben die Arbeitgeber signalisiert. Derzeit befindet sich die Entgeltstruktur der Branche mit der Beschreibung und Eingruppierung der verschiedenen Tätigkeiten auf dem Stand der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Folge: Viele Kolleginnen und Kollegen verdienen mehrere hundert Euro monatlich zu wenig, gemessen an den Anforderungen an ihre Arbeit. Der Anfang wurde im Frühjahr 2018 mit einem Flächentarifvertrag für den Tarifbereich Niedersachsen gemacht. Hier sind eine Einmalzahlung und eine Entgelterhöhung um 3,7 Prozent vereinbart worden. Auszubildende erhalten monatlich 80 Euro mehr. 

Schwung für eine bundesweite Regelung
Begonnen hat die „Zeitenwende“ bei Lloyd Shoes in Sulingen. Nachdem die IG BCE-Tarifkommission den antiquierten Flächentarifvertrag vor zwei Jahren gekündigt hatte, ging die Tendenz in Richtung Haustarifvertrag für jedes einzelne Unternehmen. Das aber wollen weder die IG BCE noch die mehrheitlich im Arbeitgeberverband organisierten Unternehmen. Der Plan der IG BCE ging auf: Nachdem die Lloyd-Belegschaft kurz vor einem Warnstreik stand, um den Haustarifvertrag durchzusetzen, kam das erwartete Signal mit der Einigung auf einen Flächentarifvertrag Niedersachsen. Und dieser gibt jetzt genügend Schwung für eine bundesweite Regelung, die das Ende der antiquierten Struktur besiegeln soll. 

Seit Jahren ist die IG BCE bei Lloyd gut aufgestellt
Warum spielt Lloyd Shoes eine wichtige Rolle bei dem Tariferfolg? Eine Frage an den Betriebsratsvorsitzenden Gerd Beich. „Unsere Belegschaft ist überwiegend in der IG BCE organisiert. Und deshalb sind wir stark genug, uns nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Wenn wir etwas durchsetzen wollen, dann können wir im Betrieb auch genügend Mitglieder zusammenbringen, die uns tatkräftig unterstützen.“ Natürlich sei das auch eine Folge der seit vielen Jahren aktiven Mitgliederwerbung. „Wenn ein Auszubildender kommt, eine neu eingestellte Kollegin oder ein neu eingestellter Kollege, dann kümmern wir uns direkt um sie und fragen auch, ob sie oder er Mitglied werden will.“ Seit Jahren ist die IG BCE bei Lloyd gut aufgestellt. Und davon profitieren nun wieder einmal die Beschäftigten. 

Bis zu tausend Euro mehr
Jetzt hat der Bundesverband der Arbeitgeber der Schuhindustrie bis Ende Februar 2019 Zeit, einen neuen bundesweiten Flächentarifvertrag abzuschließen, mit einer kräftigen Tariferhöhung und einer in die Zeit passenden Entgeltstruktur. Diese würde übrigens für viele Beschäftige ein Entgelt-Plus von bis zu tausend Euro monatlich bedeuten. „Das ist nur gerecht“, so der Betriebsratsvorsitzende, „vor allem wenn man an die späteren Rentenzahlungen denkt, die mit regelmäßigen Lohnerhöhungen natürlich steigen werden.“

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