Chemie-Tarifrunde 2018

Urlaubsrevolution und mehr Entgelt

Deutliche Lohnsteigerungen, ein Quantensprung beim Urlaubsgeld und die Aussicht auf mehr Arbeitszeitsouveränität für die Beschäftigten: Nach zweitägigen Verhandlungen haben sich IG BCE und Arbeitgeber auf einen Tarifkompromiss für die 580.000 Beschäftigten in der chemischen Industrie geeinigt. Er sieht Entgeltsteigerungen von 3,6 Prozent vor. Gleichzeitig hat sich die IG BCE mit ihrer Forderung nach einer Verdopplung des Urlaubsgelds auf 1.200 Euro für Vollzeitbeschäftigte voll durchgesetzt. 

IG BCE / Andreas Reeg

Tarifabschluss Chemie 2018 vlnr: IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis, IG-BCE-Verhandlungsführer Ralf Sikorski  und BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller.

„Wir haben für die Beschäftigten ein gutes Tarifpaket geschnürt, das ihnen eine faire Teilhabe am Erfolg ihrer Branche sichert“, sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, im Anschluss an die Verhandlungen in Wiesbaden. „Seit Jahren brummt das Geschäft, und niemand spürt das mehr als die Kolleginnen und Kollegen. Sie haben deshalb einen Abschluss verdient, der ihnen sowohl spürbar mehr Cash bietet als auch die Aussicht auf Entlastung und mehr Freiraum bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. Wir haben das versprochen, jetzt haben wir geliefert.“

Neben der Entgeltsteigerung von 3,6 Prozent und der Verdopplung des Urlaubsgelds auf 1.200 Euro für Vollzeitbeschäftigte vereinbarten die Vertragsparteien eine verbindliche "Roadmap Arbeit 4.0", die bis zur nächsten Tarifrunde mehr Arbeitszeitsouveränität und Qualifikationschancen für die Beschäftigten ermöglichen soll. Das Gesamtvolumen der Einkommensverbesserungen liegt damit im Durchschnitt bei rund 4,6 Prozent. Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 15 Monaten.

Der Tarifabschluss im Einzelnen:

  • Die Entgelte steigen um 3,6 Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten. In allen Tarifbezirken gibt es zusätzlich Einmalzahlungen von 280 Euro (für Auszubildende 80 Euro).
  • Das Urlaubsgeld verdoppelt sich auf 1.200 Euro für Vollzeitbeschäftigte und 1.320 Euro für Schichtarbeiter. Von der Vereinbarung profitieren die unteren Lohngruppen überdurchschnittlich, das Plus liegt hier bei bis zu 1,8 Prozent. Das Urlaubsgeld wird in der chemischen Industrie zusätzlich zur Jahresleistung (95 Prozent des monatlichen Tarifentgelts) gezahlt. Auszubildende erhalten beim Urlaubsgeld einen satten Aufschlag von gut 250 Euro auf 700 Euro. Gleichzeitig steigen ihre Ausbildungsvergütungen im ersten und zweiten Ausbildungsjahr um 9 Prozent, im dritten und vierten Ausbildungsjahr um 6 Prozent.
  • Beide Seiten vereinbaren in einer "Roadmap Arbeit 4.0" verbindliche Absprachen zur kommenden Tarifrunde, mit denen die Branche als Arbeitgeber attraktiver wird. Dazu gehört die Schaffung von Instrumenten, die Arbeitnehmern mehr Arbeitszeitsouveränität und variablere Arbeitszeiten ermöglichen. Die Umsetzung soll durch Betriebsvereinbarungen erfolgen, wobei die Betriebsparteien auf Basis einer qualifizierten Personalbedarfsplanung sicherstellen, dass das erforderliche Arbeitsvolumen erreicht wird. Zudem sollen die Qualifizierungsangebote für die Beschäftigten mit Blick auf Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt verbessert werden. Dazu soll der Unterstützungsverein der chemischen Industrie (UCI), eine gemeinsame Einrichtung beider Parteien, ein entsprechendes Förderprogramm auflegen.
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