Tarifverhandlungen Kautschukindustrie

Arbeitgeberangebote nicht tragbar

Trotz guter wirtschaftlicher Lage haben die Arbeitgeber am 11. Mai in der ersten Bundestarifverhandlung für die Kautschukindustrie dichtgemacht. Die IG BCE hält die vorgelegten Angebote für nicht tragbar und spricht von „Provokation“.

IG BCE

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Claus Barchewitz fehlen fast die Worte. Der Betriebsrat bei der Firma Henniges Automotive in Rehburg-Loccum saß mit in der ersten Verhandlungsrunde für den Tarifabschluss in der Kautschukindustrie am 11. Mai. „Ganz ernst gemeint kann dieses erste Angebot der Arbeitgeber kaum sein. Unsere Argumente wurden sachlich vorgetragen und sogar durch die ersten Quartalszahlen 2016 nochmals bestätigt. Der Kautschukindustrie in Deutschland geht es gut.“ Aber die Arbeitgeber relativierten die Lage und sprachen von einer Blase, die schnell platzen könne. Und mehr noch: Besonders schockierte die anwesenden Arbeitnehmervertreter die vorgeschlagene Laufzeit von 30 Monaten. „Wir wollen Reallohnsteigerungen. Die vorgelegten Vorschläge, die sich über zwei Jahre ziehen, sind nicht tragbar. Unseren berechtigten Forderungen müssen wir jetzt Nachdruck verleihen – dafür werden wir in den Betrieben werben“, so Barchewitz.

Die IG BCE fordert für die 40.000 Beschäftigten in der Kautschukindustrie eine Erhöhung der Entgelte um 5 Prozent – bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 60 Euro steigen. Dem hielten die Arbeitgeber 1 Prozent mehr Entgelt ab Juni 2016, weitere 1,2 Prozent ab Juni 2017 und 0,6 Prozent ab Juni 2018 entgegen. Das entspricht der Laufzeit von 30 Monaten.

„Das Angebot ist eine Provokation“, sagt auch IG BCE-Verhandlungsführer Marc Welters. „Die Branche verdient gutes Geld, die Konjunktur läuft robust auf hohem Niveau. Hohe Auslastung und volle Auftragsbücher belegen das. Zinsen auf historischem Tiefstand und niedrige Ölpreise verschaffen der Wirtschaft Rückenwind – davon profitiert die Kautschukindustrie. Das muss sich in einem ordentlichen Plus für die Beschäftigten widerspiegeln.“

Am 31. Mai werden die Verhandlungen in Frankfurt fortgesetzt.

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