Honeywell stoppt Restrukturierung

Kehrtwende oder nur Verschnaufpause?

Der Stopp der geplanten Restrukturierungsmaßnahmen bei Honeywell lässt die Beschäftigten vorerst aufatmen. Betriebsrat und IG BCE teilen die Freude nur gedämpft, da ab 2019 neue Maßnahmen zu erwarten sind.

IG BCE Bezirk Hannover

Protestaktion bei Honeywell in Seelze Die Beschäftigten bei Honeywell in Seelze zeigen Flagge vor den Werkstoren. Dem geplanten Stellenabbau stellen sie sich entschieden entgegen, wie hier im Frühjahr während einer ersten großen Protestaktion.

Anfang Dezember teilte der Arbeitgeber der Verhandlungskommission aus Betriebsrat und IG BCE mit, dass die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen am Standort Seelze gestoppt werden. Begründet wurde der überraschende Schritt mit den gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Vertragspartner über die Weiterführung der betroffenen Arbeitsverhältnisse im Bereich Logistik und Instandhaltung. Gleichzeitig kündigte der Arbeitgeber neue Maßnahmen für das erste Quartal 2019 an.

Betriebsrat muss gestaltender Faktor sein
In einer außerordentlichen Betriebsversammlung brachte der Betriebsratsvorsitzende Frank Steuernagel die Situation auf den Punkt: „Der verkündete Stopp der Restrukturierung hat den Betriebsrat verunsichert. Es fühlte sich keineswegs wie ein Sieg an. Allen ist klar, dass das Ziel in diesem Jahr, die ‚schwarze Null‘, nicht erreicht wurde und es andere Maßnahmen geben werde. Der Betriebsrat ist bereit, Maßnahmen mitzugestalten und hofft, früh mit ins Boot genommen zu werden.“ Moritz Hautmann, betreuender Gewerkschaftssekretär stellte klar: „Die Rücknahme der Maßnahme zeigt sehr deutlich, dass gewerkschaftlich organisierte Kolleginnen und Kollegen, wenn sie zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf ihre Arbeitsplätze nehmen können. Doch klar ist auch, das kann nur ein Teilerfolg sein. Nur mit einem starken Organisationsgrad werden wir weiter ein gestaltender Faktor sein.“

Im Laufe der Verhandlungen haben die IG BCE-Vertrauensleute gemeinsam mit dem Bezirk Hannover auf die Situation im Unternehmen aufmerksam gemacht. Mit einer Plakataktion im öffentlichen Raum rund um das Firmengelände und mehreren Mitgliederversammlungen mit Politik und Gesellschaft konnte auch außerhalb des Unternehmens für die Tragweite sensibilisiert werden und der Druck auf die Unternehmensleitung hochgehalten werden.

Anfang des Jahres hatte die Geschäftsleitung bei Honeywell in Seelze angekündigt, am Standort Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten. Von diesem Prozess sollen ca. 130 Arbeitsplätze betroffen sein. Weitere Informationen blieb das Unternehmen dem Betriebsrat und der Gewerkschaft schuldig. Daraufhin nahm die Verunsicherung bei den Beschäftigten spürbar zu. Dank der Mobilisierung aus der Belegschaft konnte gegenüber der Geschäftsleitung jedoch ein starker Druck auf den Arbeitgeber aufgebaut werden. Dazu zählte auch ein offener Brief der IG BCE, der Ende Oktober auf die fehlende Informationspolitik hinwies. Das ließ letztlich die Beschäftigten noch weiter zusammenwachsen, wie Moritz Hautmann während einer der Mitgliederversammlungen mit weit über 100 Teilnehmern feststellte: „Es ist beeindruckend, eine solche Geschlossenheit zu erleben.“ Die wird es wohl aber auch künftig brauchen, um den Arbeitgeber klare Signale zu senden.

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