Das DGB Bildungswerk BUND hilft Beschäftigten mit Defiziten in der Grundbildung

Analphabetismus in der Arbeitswelt

Auch in den Betrieben haben Beschäftigte teils ernstzunehmende Probleme mit der Schriftsprache. So hilft das MENTO-Projekt vor Ort: Der Kooperationspartner ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen baut ein Netzwerk aus ehrenamtlichen Mentoren und Lernberatern auf, das Betroffenen individuelle Hilfe bietet. In Zusammenarbeit mit dem IG BCE Landesbezirk Nord ist MENTO 2016 auch bei Continental in Stöcken angelaufen.

IG BCE

„Viele Menschen haben Probleme mit der Schriftsprache – vielleicht auch in deinem Umfeld!“, mit diesem Aufruf will das vom DGB Bildungswerk BUND ins Leben gerufene Projekt MENTO auf ein Thema aufmerksam machen, das vielen kaum bewusst ist – funktionaler Analphabetismus. In Deutschland beherrschen mehr als 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren die Schriftsprache nicht gut genug, um selbstständig Verträge, E-Mails, Warnhinweise oder Arbeitsanweisungen lesen zu können. Insgesamt haben 7,5 Millionen Betroffene keine ausreichende Grundbildung.

„Im betrieblichen Alltag wird dies oft durch Kolleginnen oder Kollegen aufgefangen, die möglichst unauffällig helfen, wenn etwas Schriftliches zu erledigen ist“, weiß die MENTO- Regionalkoordinatorin Inga Neubauer von ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen. „Zudem haben die Betroffenen oft ein fast fotografisches Gedächtnis. Sie tun alles, um ihre Schwäche nicht selbst zu outen.“ Das ist psychisch sehr belastend und kann auch gefährlich werden, wenn zum Beispiel Sicherheitshinweise nicht verstanden werden.

Um den Grundausbildungsbedarf in einem Betrieb zu erfassen und Betroffenen individuelle Qualifizierungsmöglichkeiten aufzuzeigen, baut MENTO ein Netzwerk von ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren sowie Lernberatern und Lernberaterinnen auf. Interessierte erhalten eine qualifizierte Mentoren-Ausbildung für Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt. Daran können sie eine Lernberater-Ausbildung anschließen.

Bei der Continental Reifen Deutschland GmbH in Stöcken setzt sich Betriebsrätin Laurence Brochier seit April 2016 für die Teilnahme am MENTO-Projekt ein. „Auch ich habe schon Dokumente in die Hände bekommen, die große sprachliche Mängel hatten –  ich denke der Bedarf ist da.“ Auf die Ausbildung zur Mentorin im September freut sie sich bereits, und hofft, noch Mitstreiter zu gewinnen. „Dort lernen wir auch, wie man Betroffene sensibel auf ihr Defizit ansprechen kann. Eine Fähigkeit, die einem in vielen Bereichen sehr helfen kann.“

Die Projektpräsentation von MENTO am 15. Juli überzeugte auch das Conti-Werksmanagement.

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